Live from the Himalayas (3): Fair Trails Explor­ation

22. Nov. 2019

Zu den Fledermausjägern: Im Inneren der Mahabharat Berge siedelt das geheimnisvolle Volk der Chepang. Wir haben unsere Route so gewählt, dass wir bei einigen Chepangdörfern vorbeikommen und ein wenig in ihre Kultur eintauchen.

Auf Dschungelpfaden: Der Weg durch die subtropischen Mahabharat Berge wird das Herzstück des neuen „Local Life Trails“ bilden ©Trail Angels

Leider war das Wetter heute morgen diesig und die Kette der Himalayaberge im Dunst verhüllt. Schade, denn der Blick von Baspur reicht vom Dhaulagiri Himal bis zum Langtang Himal und kann sich ohne jeden Zweifel mit so berühmten Aussichtspunkten wie Poon Hill oder Nagarkot vergleichen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück bei unserer fürsorglichen Gastgeberin starteten wir spät und latschten zuerst für 1 1/2 Stunden auf einem Jeeptrack in das geschäftige Dorf Hattibang. Dieses Wegstück auf Dschungelpfaden zu umgehen wäre zu mühsam gewesen. In Hattibang folgt man dann einem dicht bewaldeten Flusstal bergauf, wobei der aufwändig angelegte Steig verrät, dass diese Route früher eine größere Bedeutung gehabt haben muss. In der Tat war diese in der Vergangenheit Teil einer der großen Salzrouten von Tibet nach Indien. Auf einem kleinen Pass, dem Pansirang Bhanjyang treffen wir dann eine Gruppe von Chepang Frauen, die auf Nachfrage Geld für die Erdbebenhilfe aus der Distrikthauptstadt geholt haben. Am Pass wird auch der Blick frei auf Jyandala, unserem Tagesziel, welches wir dann über herrliche Pfade, die die Steilflanke des Siraichuli, dem höchsten Berg von Chitwan, entlangführt.

Jyandala ist ein kleines und sehr armes Chepang-Dorf, umgeben von Buchweizen- und Senffeldern sowie riesigen Marihuanastauden. Die Chepang waren eines der letzten Jagdvölker Nepals, das bis vor ca. 100 Jahren in Höhlen gewohnt hat, eine eigene Sprache spricht und bis heute wirtschaftlich benachteiligt geblieben ist. Der Homestay in Jyandala ist daher auch sehr einfach und für zahlende Gäste so nicht vermietbar, aber bald sind einige neue Häuser vermietbar. Dafür war das Abendessen am Lehmboden neben dem offenen Feuer ein Erlebnis und das einfache Frühstück aus Buchweizen-Chapati und heißer Yam-Wurzel spendete Kraft für den ganzen Tag und beweist: „The more you need, is less“.

Panoramaweg Südalpen Panorama am Hochplateau

Wie aus einer anderen zeit: Abendessen im weltvergessenen Chepang Dorf Jyandala, Mahabharat Mountains; ®Trail Angels

Für uns hieß es jedoch noch nicht in die dampfende Hitze abzusteigen, sondern dem Kamm entlang weiter aufsteigen. Leider ist dieser grandiose Weg schon verwachsen und teilweise abgerutscht und muss wieder Instand gesetzt werden. Für uns bedeutete dies jedoch, dass wir zeitweise vom Dschungel verschluckt wurden. Mit all seinen Segnungen inklusive: allerlei Getier, blutdürstigen Litschis (Blutegeln) und riesigen Brennesselstauden. Belohnt wurden wir auf den höchsten, baumfreien Erhebungen mit einer atemberaubenden Aussicht und der Gewissheit, dass diese noch nicht von vielen Ausländern bewundert worden ist.
Panoramaweg Südalpen Panorama am Hochplateau
Atemberaubender Ausblick: Wo sich zwei Weltlandschaften treffen! Blick aus dem Vorhimalya, den mahabharat Mounatins hinunter in den Terai, der schon zur indischen Tiefebene gehört. ®Trail Angels
Kraft, die wir auch brauchten, denn dieser Tag erforderte besondere Anstrengungen in der Routenführung. Zuerst ging es durch das Gelb und Rosa der blühenden Senf- und Buchweizenfelder höher, bis wieder ein Pass erklommen wurde. Jetzt tauchte der Pfad in das undurchdringliche Grün des Monsunwaldes mit all seinen Geräuschen ein. Kurz ist der Anstieg zum nächsten Pass, dessen Ausblick einem den Atem raubt: Schier endlos ist der Blick hinunter in den Terai, der schon zur indischen Tiefebene gehört, während in der anderen Richtung noch die Gletschergipfel in der Sonne leuchten.
Panoramaweg Südalpen Panorama am Hochplateau
Der Zauber des Trekking in den Mahabharat Mountains: Grandiose Ausblicke auf den Hochhimalaya (im Bild: Manaslu Himal) und es begegnet Dir kaum ein anderer Wanderer; ®Trail Angels
Bald geht es auf einem wieder besseren Pfad bergab, der uns schnurstracks nach Upardanggadhi führt. Ein herrlich gelegenes Chepang-Dorf, das von einer alten Festung überragt wird. Hier sollen sich vor 200 Jahren die Engländer beim Versuch Nepal zu erobern, die Zähne ausgebissen haben. Der Homestay in Upardanggadhi ist sauber, das Essen gut und im Freien zubereitet und wir lauschten am Abend, begleitet vom monotonen aber faszinierenden Lied des Dschungels den Geschichten des Dorfältesten. Prashant, unser Kulturexperte entlockte ihm die faszinierendsten Geschichten.

Die Fledermausjagd findet vor dem Monsun und im Winter statt und große weitverzweigte Bäume, wie eben die Chea Bäume werden mit Netzen versehen, in denen sich dann die Fledermäuse verfangen. Übrigens: Die Fledermäuse werden als Ganzes gekocht, dann Luft getrocknet und danach mit Putz und Stengel gegessen. Mahlzeit!

Panoramaweg Südalpen Panorama am Hochplateau
Bei den Fledermausjägern: Eine ältere Chepang Frau erklärt Prashant und Peter die Jagdtechniken der Chepang. Das sind die fair Trails – mehr als Trekking! ®Trail Angels
Upardanggadhi ist defiitiv ein Höhepunkt dieser Reise. Jetzt warten noch der Abstieg in das Tiefland und seine Abenteuer auf uns. Fortsetzung folgt.

Autor

Günter Mussnig

Der Diplomgeograph ist einer der Gründer und Geschäftsführer der Trail Angels, die für die Webplattform Bookyourtrail.com verantwortlich zeichnen. Als Trekking- & Outdoorfreak gehört er zu den Vätern des Alpe-Adria-Trails und erkundet seit mehr als 25 Jahren den nepalesischen Himalaya.

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