Nicht von dieser Welt Königreich Mustang

15. Feb. 2018

Lange von der Außenwelt abgeschottet, hat es das kleine (ehemalige) Königreich Mustang geschafft, seine betörende Faszination aus bizarr karger Hochgebirgswüste und mystischer Spiritualität bis in die Gegenwart zu bewahren. Ein Land, wie nicht von dieser Welt.
Der Zauber von Lo

Der Name Mustang bedeutet „fruchtbare Ebene“ und ist nepalesischen Ursprungs. Weshalb, ob der tibetischen Prägung auch niemand in Mustang diesen Namen verwendet. Denn hier ist schlicht die Bezeichnung „Lo“ gebräuchlich, das kurze und prägnante tibetische Wort für „Süden“. Aus der Perspektive Tibets liegt Lo eben im Süden. Im Größenverhältnis zu Tibet ist Lo ein kleiner Zwerg, der jedoch wie ein Brennglas die gesamte Faszination Tibets fokussiert: karge, windgepeitschte Hochebenen, gesäumt von eisstarrenden Berggiganten; spektakulär bizarre Erosionsformen wie Canyons oder bunte Sandsteingebirge; saftig grüne Oasen überragt von mächtigen, orange getünchten Klosterburgen und die tiefe Spiritualität des Buddhismus Lamaismus, die in jedem Winkel dieses geheimnisvollen Landes zu spüren ist. Hier zu wandern wird Schritt um Schritt zu einer spirituellen Erfahrung und einer Reise zu sich selbst.

Panoramaweg Südalpen Panorama am Hochplateau

Mustang Trekking ® Trail Angels

Lo liegt im Norden

Doch wie gelangt man nach Mustang? Nun liegt Lo aus Sicht der Nepalesen ja im Norden. Bis zum Jahr 1992 für Touristen gesperrt, war der Weg für die ersten westlichen Reisenden, wie den großartigen österreichischen Asienforscher Herbert Tichy, lang und beschwerlich. Heute kürzt das Flugzeug die Anreise von Kathmandu nach Jomoson mit Zwischenstopp in Pokhara entscheidend ab. Wobei der kurze und ungemein spektakuläre Flug durch die tiefste Schlucht der Welt, den Kali Gandaki Durchbruch, eingezwängt zwischen den Achttausender Riesen Dhaulagiri und Annapurna, das Geheimnis des tibetischen Charakters von Mustang freigibt: steigt man im schwülen, subtropischen Pokhara ins kleine Flugzeug ein, verlässt man es 20 Minuten später im kalten trockenen Jomoson, denn bis hierher schaffen es die feuchten Luftmassen im Monsun nicht mehr über die himmelhohe Himalaya-Kette. Von Jomoson sind es dann nur noch vier gemütliche Gehstunden nach Kagbeni, wo man die Grenze in „gelobte Land“ nach Lo überschreitet.

Panoramaweg Südalpen Panorama am Hochplateau

Farbenfroh auch in der Kleidung präsentiert sich die Königsstadt Lo © Trail Angels

Das Königreich der Herzen

Wiewohl das Königreich Lo nach der Besetzung Tibets durch die chinesische Volksarmee jede Bedeutung verloren hatte, blieb sein Status als eigenständige Monarchie innerhalb des Königreiches Nepal aufrecht. 2008 wurde Nepal dann eine Republik und die neue Regierung in Kathmandu löste damit die Monarchie in Mustang auf. Was die Lo-Pa, die Menschen in Mustang nicht daran hindern konnte, auch weiterhin ihrem König in der Hauptstadt Lo Manthang zu huldigen. Auch wenn Lo Manthang seit wenigen Jahren an das Straßennetz (nur die Verbindung von Norden, von China verdient diese Bezeichnung) angeschlossen ist, konnte die von einer rechteckigen Burgmauer umfriedete Stadt ihren mittelalterlichen Charakter bewahren. Und den Ruf, die kleinste (mit ihren ca. 570 Einwohnern) und isolierteste Hauptstadt der Welt zu sein, mühelos verteidigen.

Panoramaweg Südalpen Panorama am Hochplateau

Wenn Häuser und Landschaft verschmelzen © Trail Angels

Meine sieben Wunder von Mustang

Bei allem Respekt vor der UNESCO, aber man muss oft schmunzeln, was heutzutage alles schon Welterbe-Status besitzt bzw. sich darum bewirbt. Wenn es denn ein würdiges kombiniertes Welt-Natur- & Kulturerbe gibt, dann ist es wohl Mustang. Hier meine persönlichen sieben Wunder zwischen Kagbeni und chinesischer Grenze: 1) die mittelalterliche Königstadt Lo Manthang; 2) der atemberaubend angelegte Karawanenweg auf den Dajori La; 3) das farbenprächtige Sandsteingebirge von Dhakmar mit seinen unerreichbar scheinenden Höhlensiedlungen; 4) der kleine „Paradise Lake“ hoch über dem Mui La mit atemberaubendem Panorama auf Damodar und Annapurna Himal; 5) Ghar Gompa, das älteste Kloster in Mustang und Meditationsstätte des Padmasambhava; 6) der Potala – die beeindruckende Klosterburg von Tsarang und 7) das Schwalbennest der Luri Gompa inmitten eines bizarren Amphitheaters aus Sandsteinnadeln.

Panoramaweg Südalpen Panorama am Hochplateau

Spüre die Magie der Region © Trail Angels

Eine Pilgerreise zu sich selbst

Der Mustang Heritage Trail verbindet auf Traumwegen die Wunder von Mustang wie eine Perlenkette und vermeidet dabei weitestgehend den staubigen Jeep Track, der sich großspurig „Mustang Highway“ nennt. Mit dem „Trail Planer“ von Bookyourtrail kannst Du diesen faszinierenden Trail individuell planen und buchen. Und falls Du noch genauere Beratung wünschst, dann zögere nicht und kontaktiere uns. Wir helfen Dir gerne weiter mit unserer nie versiegenden Faszination für Nepal.

Autor

Günter Mussnig

Der Diplomgeograph ist einer der Gründer und Geschäftsführer der Trail Angels, die für die Webplattform Bookyourtrail.com verantwortlich zeichnen. Als Trekking- & Outdoorfreak gehört er zu den Vätern des Alpe-Adria-Trails und erkundet seit mehr als 25 Jahren den nepalesischen Himalaya.

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