Das Gesäuse

Steiler Fels und Wilde Wasser

Über das Revival des einstigen Zentrums europäischen Alpinismus

Ausgezeichnet für

Strategische nachhaltige Entwicklung einer Tourismusdestination

Aufgenommen im Jahr

2020

Destination

Region Gesäuse

Produkt

Gesäuse Hüttenrunde; Gesäuse Base Camps; Trans Nationalpark

Partner

Tourismusverband Gesäuse

01 — DER MYTHOS

Die Universität
des Bergsteigens

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Toni Eckers Rettung / Dachl Nordwand 1931
Toni Ecker nach tagelangem ausharren in der Felswand inmitten seiner Retter – ein filmreif wirkender unbesiegbarer Haufen von Djangos, allesamt ein wenig abgerissen, doch fröhlich grinsend, und jeder eine Mordszigarre paffend: jeweils ein Stinkefinger für den Bergtod!

»Die Herrlichkeit war fast schrecklich – einsam schritt man zwischen den hohen dräuenden Bergen des Damischbachthurm, des Hochthor, des Buchstein und des Reichenstein, an der sausenden Enns, die sich milchweiß, wallend wie Schaumwein, tosend durch das Gefelse bricht, zwischen wuchtigen Steinklötzen bohrt und windet, das stetig keimende Gewurzel des Waldes zerreißt – ein rasendes Wasser.«

Peter Rosegger, 1880

Irgendetwas haben die Menschen im Gesäuse seit jeher gesucht und auch gefunden. Warum sonst soll man sich diese „schreckliche“ Schönheit antun? War es in der Bronzezeit das Kupfer, ab dem Frühmittelalter das Holz und ab ungefähr 200 Jahren der Entdeckerdrang von Forschern und Bergsteigern: Eine tiefe Sehnsucht treibt einen in die luftigen Höhen und rauschenden Tiefen dieser Weltgegend. Doch wer Gnade in solch brachialer Natur erfahren will, muss dem Gesäuse gegenüber Demut erweisen.
Vielleicht gerade deshalb wurde bereits vor fast 1.000 Jahren das Stift Admont gegründet – eine Oase inmitten der Wildnis und bis heute ein Hort des Glaubens, des Wissens und der Kultur in der Region. Demut wird jedoch nicht nur im Kloster benötigt, sondern ist im Gesäuse eine universelle Qualität. Das beginnt beim Bergsteigen und hört auch nicht beim Umgang mit der streng geschützten Natur auf.

Durch den Bau der Kronprinz Rudolf-Bahn 1872 sind die Gesäuseberge ein Frühzentrum des europäischen Alpinismus. Zahlreiche Größen der Alpingeschichte – von Preuß bis Kasparek – haben hier das alpine Klettern erlernt und perfektioniert. Das hat dem Gesäuse den Titel »Unversität des Bergsteigens« eingebracht, denn, wer im Gesäuse klettern kann, der kann es überall anders auch – so die alte Prämisse. Doch damals wie heute ist der Berg ist kein Sportgerät mit geprüfter Sicherheit. Das und die nötige Demut gegenüber dem Gesäuse manifestiert sich im Bergsteigerfriedhof Johnsbach, auf dem Bergsteiger aus der ganzen Welt ihre letzte Ruhe fanden.
Die natürliche Konsequenz aus alledem ist der konsequente Schutz der Natur im Gesäuse entlang von Enns und Salza. Nicht umsonst gibt es hier einen Nationalpark, einen Naturpark und zahlreiche kleine Naturschutzgebiete auf engstem Raum. Der Nationalpark steht dabei für streng geschützte und unberührte Wildnis wie sie in Europa kaum mehr zu finden ist. Der Naturpark hingegen ist Synonym für naturnahes Leben und Wirtschaften und ist mit seinen geologischen Besonderheiten ganz nebenbei auch ein UNESCO Geopark. Was aber beide vereint, ist die uneingeschränkte Demut gegenüber der Natur.
Möglicherweise war dies schon immer die Bestimmung für diese Region, denn Fritz Benesch schrieb schon 1918: »Das Gesäuse mit seinen Bergen gehört dem Land Steiermark, das dieses Fleckchen Erde, das Schönste, was es besitzt, wie ein Kleinod behütet. Es ist eine Art Nationalpark der Steirer.«
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Eines der Leitprodukte der Destination Gesäuse: Die Gesäuse Hüttenrunde! Sonnenaufgang bei den Haller Mauern ©TVB Gesäuse/Leitner

Das Herz der Destination der Gesäuse: Der Nationalpark Gesäuse! Die Partnerschaft von Schutzgebiet und Tourismus haben das Revival des Gesäuses erst möglich gemacht! ©TVB Gesäuse/Leitner

Wildes Wasser – steiler Fels: Der Markenkern der Destination Gesäuse, aufgeaden mit buchbaren, attraktiven Leitprodukten ©TVB Gesäuse/Leitner

Innehalten und staunen: Die Destination Gesäuse ist die charmante Antwort auf den Pomp und Trubel so vieler touristischer Scheinwelten ©TVB Gesäuse/Leitner

02 — DIE GEFAHR

Die Bewahrung der Natürlichkeit
als oberstes Gut

02

Gelebte Volkskultur
Wer ins Gesäuse kommt ist mitten drin – im atemberaubenden Naturraum, in der jahrhundertealten Hochkultur und im traditionsreichen Leben der Gesäusemenschen.

Eigentlich könnten die Grundvoraussetzungen für die Bewahrung der Natürlichkeit der Region Gesäuse kaum besser sein: Ein Großteil der Region hat sich als Nationalpark ganz dem Naturschutz verschrieben, im Bereich des Natur- und Geoparks wird sehr bedacht mit den natürlichen Ressourcen umgegangen, viele weitere Regionsteile befinden sich in Großgrundbesitz und verhindern damit drohende Zersiedelungen. Zu guter Letzt gibt es auch keinen Seilbahnbetrieb, was im Gegensatz zu anderen alpinen Destinationen, der Region massentouristischen Verschleiß ersparte. Und trotzdem scheint das oberste Gut in Gefahr.
An aller erste Stelle steht hier das Thema Abwanderung und damit verbunden die Überalterung der Region, liegt doch das Durchschnittsalter in mehreren Ortschaften der Region bei über 60 Jahren. Wenn es für junge Menschen wenig berufliche Perspektive gibt, kann auch der schönste Fleck der Welt für ein Leben nicht ergiebig genug sein.

Große Arbeitgeber aus Industrie und Handel sind im Gesäuse zwar noch vorhanden, doch decken diese den Bedarf an Zukunftschancen für die nächste Generation kaum ab. Daher könnte hier gerade der Tourismus als attraktive Branche auftreten. Doch auch hier gibt es erst noch einige Herausvorderungen zu lösen. Allen voran die Generationsübergabe, welche in einigen der zumeist familiengeführten Betrieben noch nicht gesichert ist.
Eine weitere Herausforderung ist auch die Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur, die gerade durch den steigenden Tagestourismus hervortritt. Dabei spielen Besucherlenkung und Mobilitätskonzepte eine wichtige Rolle. Wie lässt sich Natürlichkeit bestmöglich bewahren und trotzdem einer steigenden Anzahl an Besuchern zugänglich machen? Kann man in diesem Widerspruch überhaupt nachhaltige Lösungen finden?
Schließlich sind es aber auch die externen Einflüsse, welche die Bewahrung der Natürlichkeit in der Region zu schaffen machen. Die Anforderungen an den modernen Tourismus, die neue Bequemlichkeit des Gastes, machen eine nachhaltige Bewirtschaftung zu einer großen Herausforderung. Die Frage stellt sich zwangläufig: Wie kann man hier alles unter einen Hut bringen?
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03 — DIE HELDEN

Die Auferstehung

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Drei Helden für das touristische Revival des Gesäuses (v.l.n.r.) Herbert Wölger, Günter Planitzer, David Osebik

Im Gesäuse geht es bergauf und bergab. Nicht nur physiogeographisch, sondern auch was die Tourismus- und Regionalentwicklung betrifft. Und so war es auch 2014, wobei es davor ordentlich bergab und dann steil bergauf ging. Denn die Vorzeichen standen in diesem Jahr nicht gut und die (Tourismus)Region zwischen Ardning und Wildalpen stand kurz vor dem Aus.
Die Abwärtsentwicklung im Gesäuse hatte eine lange Vorgeschichte. Seit den 1960ern ging es mit der ehemals so strahlenden Tourismusregion schrittweise, aber kontinuierlich bergab: Verschlafene Investitionen, ein Rückgang der touristischen Betriebe um mehr als zwei Drittel und ein Nächtigungsminus von ungefähr 70% bei stetig sinkender Aufenthaltsdauer, ließen wenig Hoffnung aufkommen. Darüber hinaus stand die Region aufgrund fehlender Kooperation zwischen den Akteuren kurz davor, in eine West- und eine Osthälfte gespalten zu werden, denn der Tourismusverband war zu diesem Zeitpunkt mehr oder weniger pleite.


Doch zwei regionale Akteure, ein großer und ein (vermeintlich) kleiner, wollten das nicht wahrhaben. Da wäre zunächst einmal der Nationalpark Gesäuse, der seit seiner Gründung 2002 vehement um den Zusammenhalt der Region gekämpft hatte. Wirklich Schwung bekamen diese Bemühungen mit dem damals noch frisch gebackenen Geschäftsführer des Nationalparks, Herbert Wölger – selbst ein Kind der Region. Gemeinsam mit seinem damaligen (Noch)Mitarbeiter in Sachen Regionalentwicklung, David Osebik, wurde keine Sitzung ausgelassen und keine unangenehme Diskussion in der Region gescheut.
Der zweite und eigentliche Held in der Geschichte war und ist ein verrückter Konditor aus Admont, Günter Planitzer. Bei der entscheidenden Vollversammlung im Jahr 2014, bei der es um die Auflösung des Verbandes ging, stand dieser Mann im wahrsten Sinne des Worts auf und ließ sich gegen sämtliche Widerstände von Regionalpolitik und Co. zum neuen Vorsitzenden des Tourismusverbandes wählen. Das Ausmaß der damaligen Herausforderungen war jenem Mann bis zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht klar. Es folgten eine radikale finanzielle Sanierung, um die Zahlungsunfähigkeit des Tourismusverbandes abzuwenden, Grabenkämpfe in einer zerstrittenen Region und die Neuausschreibung der Geschäftsführung, die den sprichwörtlichen Karren aus dem inhaltlichen Dreck ziehen sollte.
Bei all diesen Herkules-Aufgaben stand der Nationalpark hinter dem neuen Obmann und unterstützte den Tourismusverband in allen Lebenslagen. Und so kam es auch, dass aus dem hart umkämpften Hearing um die Geschäftsführung des Tourismusverbandes, ein „Nationalparkler“ hervorging. Aus dem (natur)geschützten Bereich heraus übernahm ab Dezember 2014 David Osebik das inhaltliche Ruder im Tourismus der Region Gesäuse. Und das mit der Aufgabe, alles auf neue und vor allem gesunde Beine zu stellen.
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Tief mit der Region verwurzelt: rechts: der Geschäftsführer des Nationalparks Herbert Wölger und links Günter Planitzer, der Konditor aus Admont, der den Tourismusverband 2014 vor der Auflösung rettete.

David Osebik (links), Geschäftsführer der Destination Gesäuse, im Bild mit seinem kongenialen Partner, Joe Terler (Marketingleiter des TVB Gesäuse)

04 — DAS PROJEKT

Wiedergeburt Gesäuse

04

Das Gesäuse hat viele Schokoseiten: Ob aus Berg-, Fluss- oder Gasthausperspektive – mit dem Gesäuse liebäugelt man von allen Seiten.

»Das Konzept der Erhaltung ist ein weitaus stärkeres Zeichen der Zivilisation als was wir einst mit Fortschritt verwechselt haben: Die Plünderung eines Kontinents.«

Peter Matthiessen

Wenn man sich in einer Sackgasse befindet, muss man umkehren. Doch auch, wenn die inhaltliche Kehrtwende klar auf dem Tisch lag, so musste im Gesäuse doch alles neu gedacht und vor allem gemacht werden. Nichts weniger als eine Wiederauferstehung des Mythos Gesäuse war der Anspruch, mit dem Unterschied, dass alles in die „heutige“ Zeit passen sollte. Eine hippe Agentur konnte sich der Tourismusverband nicht leisten, so musste der Verband selbst zur Agentur mit einem Mitarbeiter werden.
Alles beginnt mit einem Bild im Kopf. Mit diesem universellen Paradigma begann die Reise, die in einem umfassenden Marken- und Marketingrelaunch endete. Doch wie bekommt man ein positiv transformiertes Bild in Köpfe der Einheimischen (Innenwahrnehmung) und der Gäste (Außenwahrnehmung)? Im Fall des Gesäuses war es das einjährige Fotoprojekt „Mensch & Natur“ im Jahr 2015, dass diesen Spiegel für beide Seiten bereithielt. Noch im Nationalpark entwickelt, wurde dieses Großprojekt mit dem Ziel ausgeschrieben, eine einzigartige Bildsprache für eine ganze Region zu entwickeln. Mensch und Natur sollten dabei jedoch stets im Einklang und richtigen Größenverhältnis abgebildet werden – abseits von Tourismus- und Naturkitsch.

Geboten wurde den Fotografen bzw. dem Fotografen dabei die komplette künstlerische Freiheit und eine Fahrgenehmigung für die Forststraßen des Nationalparks. Gewonnen hat diese Ausschreibung der Grazer Fotograf Stefan Leitner und der Rest ist eine Erfolgsgeschichte. In diesem Jahr (und den folgenden Jahren danach) entstand ein Schatz an Fotografien, welcher nicht nur die brachiale Gesäusenatur in den Einklang mit dem sich darin bewegenden Menschen brachte, sondern auch die Menschen und Betriebe der Region in ausdrucksstarker Weise portraitierte. Am Ende hatten alle, Gäste wie Einheimische, das gleiche Bild im Kopf. Und das war so, wie es sein sollte.
Die Bilderwelt war eine, die Marke das andere. Nach dem die ersten Bilder der neuen Bildsprache vorlagen, ging es an die Entwicklung der Marke und des Designs. Obwohl ein Tourismusverband dahinterstand, war der Anspruch keine reine Tourismusmarke, sondern eine alles vereinende Regionsmarke zu entwickeln, unter der die gesamte Regionalentwicklung und der regionale Stolz Platz finden sollte. Gleichzeitig musste das Ganze in perfekter Harmonie zu den Bildern Stefan Leitners stehen. Diese künstlerische Meisterleistung vollbrachte der gebürtige Ennstaler Simon Lemmerer. Am Beginn des Prozesses stand seine felsenfeste Überzeugung ein einfärbiges und handgeschriebenes Logo zu entwickeln, ganz so stark und einprägsam wie Coca Cola. Für alles andere sollen wir uns einen anderen suchen, meinte er damals. Nach kurzer aber intensiver Zusammenarbeit mit David Osebik (insgesamt waren nur 4 Personen eingeweiht) war die „Markenwelt Gesäuse“ geboren und eroberte in kürzester Zeit die Herzen der Einheimischen und der Gäste. Heute klebt sich jeder freiwillig ein Gesäuselogo um 7€ aufs Auto und trägt unsere Modelinie mit vollem Stolz. Auch das Wirrwarr an verschiedenen, regionalen Marken hat mit einem Schlag aufgehört. Jeder will unter das Gesäuse Markendach und das ist auch gut so.
Um die beiden Felsen Bildsprache und Marke herum wurde auch intensiv an der Sprache gearbeitet. Weg vom Tourismus-Sprech, hin zu einer lockeren und kurzweiligen Sprache. Die Initialzündung in diesem Bereich schaffte das Kollektiv EatWriteLive von Vera Bachernegg und Katharina Zimmermann. Bis heute zeichnen sich die Gesäusetexte, wenn auch mittlerweile von mehreren Autorinnen und Autoren geschrieben, durch ihre spielerische und umgängliche Tonalität aus.
Alles schön und gut, aber was nützten herausragende Bilder, eine stimmige Marke und ansprechende Texte, wenn all das nicht in die Welt hinausgeht? Doch wie soll es in die Welt hinausposaunt werden, wenn dem Gesäuse die dafür notwendigen Budgets fehlen? Eines war klar: Über klassisches (Tourismus)Marketing kommt das Gesäuse nicht weit. Was es braucht ist ein findiger Online Marketing Schlachtplan, der es mit wenig Ressourcen erlaubt, ein Content Marketing der Sondergüte auf die Beine zu stellen. Initialpartner in diesem Bereich war die Firma TOWA aus Bregenz, die als Sieger der Ausschreibung zur Suche eines Digitalpartners hervorging. Mit der damals noch kleinen, feinen Truppe aus 7 engagierten MitarbeiterInnen, allen voran unser Projektmanager Johannes Terler (heute Mitarbeiter des Tourismusverbandes), begann die Marketingerfolgsgeschichte. Kurzum: Auf Basis einer modernen Website mit herausragendem Design und Online Marketing hat das Gesäuse eine Social Media Strategie entwickelt, die unter den vorliegenden Budgets ihresgleichen sucht. 365 Tage begeistern die Gesäuseaccounts die Menschen im Social Web mit großartigem Content. Genau diese Strategie aus Content (Tourismusverband) und Technik (TOWA) hat das Gesäuse mit wenig Budget wieder auferstehen lassen. Und als „Island für Arme“ haben wir das Glück, dass wir keine Influencer für unsere Sache suchen müssen – zu uns kommen sie freiwillig.
Kulminationspunkt der Wiederauferstehung des war der Markenstart Gesäuse am 21. April 2016, an dem alles der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Von da an ging es nicht nur steil bergauf, sondern wurde in zahlreichen Folgeprojekten zur greifbaren Wirklichkeit. Heute steht das Gesäuse mit eigenem Mediahouse und 7 MitarbeiterInnen unabhängig und fest verankert in der Tourismuslandschaft der Steiermark.
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05 — DIE WIRKUNG

Große Wirkung mit kleinem Geld

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Unverfälschtes Hüttenflair
Wer das Gesäuse seine Heimat nennt, der weiß was es zu bieten hat und ist auch ein bisschen stolz darauf. Da kommt die Unverfälschtheit ganz von selbst.

Alles schön und gut. Es haben sich alle bemüht, es sind schöne Werke entstanden und alle sind mächtig stolz. Doch was ist dabei in der Innen- und Außenwirkung rausgekommen? Denn letztendlich zählen bei einem Projekt nur die Ergebnisse und die können sich sehen lassen.
Beginnen wir bei den harten Fakten und die beginnen in einer Tourismusdestination meist bei Ankünften, Nächtigungen und anderen amtlichen Statistiken. Dahinter liegen laufende (Online)Kommunikationsarbeit, knallhartes Destinations- und Stakeholdermanagement, innen- und außenpolitische Arbeit und, das darf man nicht vergessen, die tagtägliche Arbeit unserer Tourismusbetriebe. Was hat sich – ceteris paribus, wie der Steirer sagt – also von 2014 auf 2019 getan?

  • Die schlechte Nachricht vorweg: Wir haben in diesem Zeitraum 2% unserer Betriebe und 6% unserer Betten verloren. Also auf der Investitionsseite ist in unserer Destination nichts passiert
  • Gleichzeitig sind aber unsere Nächtigungen um sage und schreibe 25% gestiegen. Und das konnte bisher mit einem fast gleichlautenden Wachstum bei den Ankünften (28%) erzielt werden, wobei die Ankünfte 2018 und 2019 sogar im Sinken begriffen sind
  • In unserer Online-Kommunikation erreichen wir mit unseren Beiträgen mittlerweile eine Reichweite von über 10.000.000 Menschen pro Jahr (Facebook, Instagram, Pinterest zusammengenommen). Zählt man da noch die vom Tourismusverband mitaufgebauten Accounts von Stift Admont und Nationalpark Gesäuse dazu, ist die Sache sogar doppelt so groß.
  • Unsere Accounts spielen mit über 100.000 Fans auf Facebook, 16.000 Follower auf Instagram und 3.000 monatlichen Betrachtern auf Pinterest in der Liga mit den ganz Großen mit.
  • Darauf folgten über 80 überregionale redaktionelle Berichte in Printmedien vom Stern (6 Seiten) über die Zürcher Zeitung (4 Seiten) bis hin zur Süddeutschen Zeitung (2x 2 Seiten), um nur die größten zu nennen. Gleichzeitig wurden seit 2015 fünf Fernsehdokumentationen und mehrere kleine Beiträge über das Gesäuse gedreht. Alles nur mit guter Betreuung und Übernahme von Logis.
  • Das alles hat das Gesäuse mit einem Mickey-Mouse Budget von 150.000€ für den gesamten Markenrelaunch (einmalig) und rd. 20.000€ Mediabudget pro Jahr erreicht.

Auch im Tourismusverband intern hat sich einiges verändert. Aus den 2 Teilzeitmitarbeiterinnen und einem Geschäftsführer in den ersten 3 Jahren ist 2018 zunächst einmal eine geniale Marketingmanagerin dazugekommen und mit Anfang 2020 konnte das Gesäuse sein lang ersehntes Mediahouse mit einem brandneuen Marketingleiter und einem Fotografen gründen. So können wir – und das hat sich in der Corona-Krise ausgezahlt – fast alles in der Destination erarbeiten. Eine Werbeagentur war das Gesäuse schon immer selbst. Mittlerweile zählt der Verband 7 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – Tendenz steigend.

Die erfreulichsten Ergebnisse aber, sind nicht die amtlichen Zahlen. Es ist der sichtbare Beweis, dass das Gesäuse in den Herzen der Menschen angekommen ist, ganz egal, ob Einheimische oder Gäste. Doch auch dazu gibt es Zahlen. Beginnen wir mit der kleinsten und hören bei der größten auf:

  • 1 Mensch hat sich das Gesäuselogo auf den Oberarm tätowieren lassen – mehr Liebesbeweis geht nicht.
  • Seit 2014 hat sich unser Gästepublikum um ca. 10 Jahre verjüngt, ist mehrheitlich weiblich geworden und deutlich internationaler. Mittlerweile entfallen rd. die Hälfte der Ankünfte auf Gäste aus dem Ausland.
  • 2016 entwickelte das Gesäuse gemeinsam mit der Firma Hyphen Sports hochwertige T-Shirts – Kostenpunkt zwischen 29-30€. Insgesamt wurden bereits über 4.000 Stück an die Frau und an den Mann gebracht.
  • 2020 hat das Gesäuse sogar seine eigene Modelinie „Unversaut und Schweißtreibend“ mit der bekannten Klettermarke Chillaz aus dem Zillertal entwickelt. Ob die Sache auf den Laufstegen der Welt ankommt, bleibt abzuwarten.
  • Insgesamt sind rund 20.000 hochwertige Foliensticker (Kostenpunkt 3-7€) in der Welt da draußen und zieren Autos, Handyhüllen und Laptops in der ganzen Welt. Sogar in Australien und Costa Rica wurde der Sticker schon gesichtet

Zu guter Letzt kommen wir zur Produktebene und damit zu den Trail Angels. Neben unseren Gesäuse BaseCamps (Ausbildungskurse vom Skitourengehen bis zum Fliegenfischen) lebt das Gesäuse ausschließlich seine eigenen Leitprodukte. Und die sind eng verbunden mit den Trail Angels in Obervellach und dem Nationalpark Gesäuse. Allen voran der Luchs Trail, der sich in den letzten Jahren zu einem der bekanntesten Weitwanderwege in Zentraleuropa entwickeln konnte. Dicht dran und das mag man kaum glauben, ist die Gesäuse Hüttenrunde, welche die 8 Gesäuseschutzhütten der Region miteinander verbindet.
Geld und Angst hat man im Gesäuse bekanntlich nicht. Was man braucht, ist Leidenschaft und eine tiefe Überzeugung, die richtigen Dinge zu tun. Der Rest ergibt sich dann fast wie von selbst.

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Impact Stories

So wirken unsere Projekte!
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06 — DIE VISION

Gelebte Nachhaltigkeit als ganzheitliches Lebenskonzept für die Region

06

Gesäuseerleuchtung
Die bekommt man hier nicht nur am Felsen oder in den heiligen Stiftsmauern, allem voran passiert das hier in klaren Nächten unter dem dunkelsten Himmel Österreichs.

Wie sieht nun unsere Vision für das Gesäuse aus?
Blicken wir dafür ins Jahr 2030!

Die Zeichen stehen auf Aufbruch und die Dynamik der letzten Jahre hat gezeigt, was durch ein offenes und ehrliches Miteinander alles möglich ist. Die Vision dahinter ist klar: Gelebte Nachhaltigkeit auf allen Ebenen weitervorantreiben. Das bedeutet neben der ökologischen auch im Bereich der sozialen und der ökonomischen Nachhaltigkeit klare Akzente zu setzen und damit die Region als eine der lebens- und chancenreichsten Orte der Alpen zu etablieren.
Durch die Bemühungen der letzten Jahrzehnte konnten im Gesäuse bereits weitflächig wichtige Initiativen für eine ökologische Nachhaltigkeit geschaffen werden. Das bezieht sich einerseits auf den behutsamen Umgang mit der Natur seitens Nationalpark und Natur- und Geopark, sowie auch in der Entwicklung von touristischen Produkten mit möglichst geringen ökologischen Fußabdruck. Der größte Fokus liegt derzeit in der stetigen Optimierung der regionalen Mobilitätskonzepte, um im Bereich Besucherlenkung den Einfluss auf die Umwelt noch weiter zu verringern.


Nachdem die Region primär von Familienbetrieben lebt, ist im Bereich der sozialen Nachhaltigkeit bereits eine wichtige Grundvoraussetzung geschaffen. Keine externen Großinvestoren und keine künstlichen Inszenierungen bedeuteten ein großes Maß an Unabhängigkeit und dadurch Fokus auf eine organische interne Entwicklung. Das spürt natürlich auch der Gast und steigert somit langfristig die Lebensqualität der Region. Hier muss nach außen hin die gelebte Lokalität noch deutlicher kommuniziert werden und die Stakeholder in der Region bestmöglich unterstützt werden. Im Gesäuse soll demnach nicht nur der Einheimische, sondern auch der Gast nachhaltig transformiert werden.
Erst wenn die wirtschaftliche Komponente Erfolge zeigt, beweist sich, ob die ganzheitliche Nachhaltigkeit tatsächlich funktioniert. Hierbei geht es darum, mit den entwickelten Produkten und der vorhandenen Infrastruktur eine größere Wertschöpfung in der Region zu generieren. Die Entwicklungen der letzten Jahre zeigen, dass die Saat auf fruchtbaren Boden fällt, jedoch muss hier gerade im Bereich der Preisgestaltung und Auslastung noch weitergearbeitet werden.

Wenn vermehrt junge Menschen, die vielleicht einmal als Gast im Gesäuse waren, sich entscheiden hier sesshaft zu werden, ist das ein sehr guter Indikator, dass die ganzheitliche Ausrichtigung Wirkung zeigt. Und genau das ist die Vision: Das Gesäuse als einen der lebens- und chancenreichsten Orte der Alpen für die nächste Generation zu etablieren. Ein Ort des respektvollen Austausches und der Begegnung, zwischen neuen und alten Einheimischen, Locals auf Zeit und interessierten Gästen aus aller Welt.

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Links: Die Felsenpforte ins Gesäuse nahe Admont. Rechts: Raften im wilden Wasser der Enns

»Das Revival des Gesäuse ist eines der erstaunlichsten Wiedergeburten im österreichischen Tourismus! Wir sind stolz, mit der Produktentwicklung und dem Buchungsmanagement unseren Beitrag dazu leisten haben dürfen. Eine Erfolgsgeschichte, die ganz sicher fortgesetzt wird«

Trail Angels

Dieser Beitrag wurde verfasst von: David Osebik; Johannes Terler; Sarah Vierthaler

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